TOKYO — KABUKICHŌ, MITTWOCH, 02:14
Fujita kommt durch die Hintertür, wie ich es erwartet habe, und er hat die Schuhe ausgezogen, wie ich es nicht erwartet habe. Er trägt sie in der linken Hand. Ein Mann, der in Socken in ein stillgelegtes Pachinko-Lager schleicht, fürchtet das Geräusch seiner eigenen Absätze. Das sagt mir mehr über ihn als die Akte.
Das Lager riecht nach kaltem Rauch und Maschinenöl. An der Wand stehen Säcke voller Stahlkugeln, Zehntausende, deren Metall in der Feuchtigkeit langsam blind wird. Über der Tür brennt die Notleuchte, ein krankes Grün.
Er kniet sich vor das dritte Regal und greift hinter einen Karton mit der Aufschrift Ersatzteile Sankyo. Dort hat er es versteckt, in ein Frotteehandtuch gewickelt, weil er Restaurator ist und weiß, dass man altes Eisen nicht in Plastik legt. Sogar als Dieb ist er gewissenhaft.
„Es ist nicht mehr da", sage ich.
Er fährt herum. Die Schuhe fallen. Seine Augen gleiten über mich hinweg. Die Notleuchte hat sich ihm eingebrannt, und im Dunkeln dahinter sieht er nur, was sich bewegt. Ich bewege mich nicht.
Dann trete ich einen Schritt vor. Den Mantel habe ich offen gelassen. Fujita sieht zuerst die Haut über dem Ausschnitt und erst dann die Hand, und diese halbe Sekunde gehört mir.
Ich halte die Tsuba so, dass er sie sieht. Ein Stichblatt aus geschwärztem Eisen, rund, nicht größer als meine Handfläche, mit der Öffnung für die Klinge in der Mitte. In seine Kante sind Zeichen geschnitten, so fein, dass man sie mit dem Daumen liest. Im Clan erzählt man, die Fürstin Chiyo habe sie gravieren lassen, als die Schwerter eingesammelt wurden. Belegen kann das niemand. Belegt ist, dass dieses Eisen seit hundertfünfzig Jahren in einem Raum liegt, den es offiziell nicht gibt, und dass Fujita vor neun Tagen den Schlüssel zu diesem Raum benutzt hat.
„Saya-san", sagt er. Nicht Yami. Er kennt mich aus der Stiftung, aus der Restaurierungswerkstatt im Keller, wo ich ihm zweimal im Jahr für seine Arbeit danke. Ich sehe, wie die Frau mit den Förderbescheiden in seinem Kopf zerbricht.
„Der Käufer in Macau hat gestern abgesagt", sage ich. „Er hat einen Anruf bekommen."
„Ich hätte es zurückgegeben."
„Du hast dreihundertvierzig Millionen Yen Schulden bei Leuten, die nicht klagen. Du hättest es nicht zurückgegeben."
Er schweigt. Gut. Ich mag Menschen, die wissen, wann ein Satz vorbei ist.
Ich lege den Umschlag auf den Automaten neben mir, auf das gesprungene Glas, hinter dem noch eine verblichene lachende Katze klebt. Darin: ein Fahrschein nach Kushiro, ein Mietvertrag für eine Einzimmerwohnung am Hafen und ein Auszug aus dem Familienregister. Der Name darauf ist echt und gehört einem Mann, den es nie gegeben hat. Ein Beamter im Rathaus von Kushiro, dessen Vater meinem Großvater etwas schuldete, hat ihn vor zwölf Jahren eingetragen und seitdem jedes Jahr gepflegt, wie man einen leeren Anzug ausbürstet.
„Morgen um neun", sage ich, „löst ein Notar in Ōta deine Konten auf. Deine Schulden kauft eine Firma, die keine Telefonnummer hat. Deine Werkstatt wird verkauft, ordentlich, mit Vertrag. Deine Bekannten hören, dass du nach einem Zusammenbruch zu einem Cousin in den Norden gezogen bist. In einem Jahr fragt niemand mehr."
„Und wenn ich nicht gehe?"
Ich antworte nicht. Ich lasse die Frage im grünen Licht liegen, bis er selbst hört, wie sie klingt.
Dann fragt er das, worauf ich gewartet habe. „Mio?"
Seine Tochter ist acht. Zweite Klasse, Grundschule in Nakano, gelber Schulhut. Im Juli hat sie bei einem Malwettbewerb den dritten Platz gemacht, mit einem Wal. Ich habe die Akte gelesen und bin an der Stelle mit dem Wal hängen geblieben.
Es gibt eine Sache, die ich nicht tue. Ich benutze kein Kind. Nicht als Deckung, nicht als Hebel, nicht einmal als Satz. Ich hätte ihm sagen können, Mio sei sicher, solange er gehorcht. Es hätte gewirkt, und es wäre gelogen gewesen, denn Mio ist sicher, egal was er tut.
„Mio behält ihren Namen", sage ich. „Du nicht."
Er braucht eine Weile. Ich sehe es an seinen Schultern, als er versteht. Er hat mit Gewalt gerechnet. Er wird leben. Er wird nur nicht mehr der Mann sein, der morgens den gelben Hut zurechtrückt.
„Wenn sie achtzehn ist, darfst du ihr schreiben", sage ich. „Vorher gibt es dich nicht."
Er weint nicht. Er hebt seine Schuhe auf und bindet sie zu, langsam, eine Schlaufe nach der anderen, wie jemand, der ein letztes Mal etwas ordentlich machen will. Er nimmt den Umschlag. An der Tür bleibt er stehen.
„Was steht auf dem Eisen?"
Ich sage es ihm nicht. Der Satz gehört einer Toten und meiner Familie, und Fujita gehört seit zehn Minuten nicht mehr dazu.
Als die Tür hinter ihm zufällt, klickt es in der Ecke über den Kugelsäcken. Dort hängt eine Überwachungskamera, deren Stromkabel ich vor drei Stunden selbst durchtrennt habe. Unter ihrem Gehäuse leuchtet eine kleine grüne Diode auf. Eine Sekunde lang. Dann ist sie wieder dunkel.
Ich stelle einen Hocker darunter und schraube das Gehäuse mit der Messerspitze auf. Das Kabel ist durchtrennt, die Platine tot. Aber jemand hat neben die Platine eine Knopfzelle geklebt, eine neue Diode daneben, und von dort führt ein haarfeiner Draht an der Wand entlang zur Tür. Am Rahmen klebt ein Reedschalter, nicht größer als ein Reiskorn, an der Tür selbst ein Magnet. Mit der Kamera ist nichts davon verbunden. Das Ding nimmt nichts auf. Es leuchtet einmal, wenn die Tür ins Schloss fällt.
Jemand wollte, dass ich weiß, dass er hier war.

TOKYO — SHINJUKU, 03:02
Ken'ichi wartet an der Ecke vor dem Ramen-Laden mit eingeschaltetem Warnblinker und ausgeschaltetem Taxameter, wie immer, wenn ich ihn rufe. Ich rufe ihn nicht über die App. Ich rufe ein Münztelefon in einer Kneipe in Kōenji an, und die Wirtin ruft ihn auf seinem Klapphandy an. Daigo, mein Fahrer, hat einen Dienstwagen mit Fahrtenbuch. Ken'ichi hat einen alten Toyota mit einem Duftbaum am Spiegel, der seit Monaten nach nichts mehr riecht, und kein Buch, in das er etwas schreibt.
„Die Giants haben verloren", sagt er, als ich einsteige. Er sagt es zum Rückspiegel, zur Straße, zur Nacht. „Neunte Runde, zwei Mann auf Base. Und dann schlägt ihr bester Mann in ein Double Play. Jedes Jahr dasselbe."
„Jedes Jahr", sage ich.
„Sie verstehen nichts von Baseball, Seidenbluse."
„Nichts."
„Das ist das Schöne an Ihnen." Er reicht mir eine heiße Dose Kaffee nach hinten, aus dem Automaten vor dem Ramen-Laden. Er kauft immer zwei und trinkt keine. Die Dose brennt in meiner Hand. Ich halte sie trotzdem fest.
Draußen gleitet Shinjuku vorbei, nass und leer. Die Leuchtreklamen spiegeln sich auf dem Asphalt, als hinge unter der Stadt eine zweite, kopfüber. Mir tun die Augen weh. Nach Nächten wie dieser schmerzt jedes Licht, als hätte jemand Sand unter meine Lider gestreut. Wer sich zeigt, zahlt. Ich habe mich Fujita gezeigt, eine halbe Minute lang.
„Meine Frau hat immer gesagt", sagt Ken'ichi, „wer um drei Uhr nachts Taxi fährt, hat entweder etwas gewonnen oder etwas verloren."
„Und was ist Ihre Frau gefahren?"
„Fahrrad." Er lacht. „Sie hat nie verloren."
Ich schließe die Augen und sehe den gelben Schulhut und die grüne Diode, und ich bekomme sie nicht mehr auseinander.

TOKYO — KUROKAWA BUNKA ZAIDAN, GINZA, 10:30
Am Morgen bin ich Kurokawa Saya, Geschäftsführerin einer Stiftung für traditionelle Künste, und meine Hände riechen nach Adlerholz.
Zwölf Gäste knien in zwei Reihen auf den Tatami des Ausstellungsraums, Vertreter von drei Banken, einer Versicherung und einem Autohersteller, die im Frühjahr unsere Kōdō-Ausstellung finanzieren sollen. Vor mir steht das Räuchergefäß mit weißer Asche, darunter Glut. Mit der silbernen Pinzette setze ich das Glimmerplättchen auf die Asche, kaum dicker als ein Fingernagel. Mit zwei schmalen Stäbchen lege ich einen Splitter Kyara darauf, das edelste Adlerholz, nach Gewicht teurer als Gold.
„Wir verbrennen es nicht", sage ich. „Wir wärmen es. Und wir riechen nicht. Wir hören."
Ich mag den Satz, weil er falsch klingt und richtig ist. Monkō heißt das, den Duft hören. Ich zeige ihnen, wie man das Gefäß in die linke Hand nimmt, die rechte darüber wölbt wie ein Dach und atmet. Einer nach dem anderen beugen sie sich darüber. Ein Bankvorstand schließt die Augen und sieht für drei Sekunden aus wie ein Junge. Für diesen Moment werden sie zahlen. Sie wissen es nur noch nicht.
Emiko kniet seitlich hinter mir und reicht mir die Utensilien, bevor ich sie brauche. Sie ist seit vier Jahren meine Assistentin und glaubt, meine Terminlücken kämen von einer Krankheit, über die ich nicht spreche. Auf ihre Art hat sie recht.
Während sie hören, lese ich die Gäste. Der Vorstand mit den geschlossenen Augen hat beim Empfang zweimal von seinem Vater erzählt, der Räucherholz gesammelt hat. Die Frau von der Versicherung hat dreimal auf die Preisliste gesehen, bevor sie sich hinkniete. Und der junge Mann ganz außen links, Anfang dreißig, Vertreter einer Bank, deren Namen ich auf der Gästeliste zweimal lesen musste, hört nicht.
Er tut so. Er hält das Gefäß richtig, die Hand gewölbt, wie ich es vorgemacht habe. Aber seine Augen sind offen und wandern in die Ecken des Raumes, eine nach der anderen, dorthin, wo in jedem Gebäude Tokyos die Kameras hängen.
In diesem Raum gibt es keine. Ich habe sie vor Jahren abbauen lassen, offiziell wegen der empfindlichen Exponate.
Ich lächle ihn an, als er mir das Gefäß zurückgibt, das Lächeln für einen Gast, der sich Mühe gibt. Er soll eine höfliche Frau sehen, die sich freut, dass ein junger Banker sich für Räucherholz interessiert. Er sieht sie. Seine Schultern sinken eine Spur. Das Bild, das sie sehen wollen, halte ich ihnen hin, seit ich sieben bin.
Als die Gäste gegangen sind, lasse ich mir von Emiko seine Visitenkarte geben. Die Rückseite ist weiß und glatt. Ich halte sie gegen das Fenster. Nichts. Ich stecke sie trotzdem ein.
TOKYO — KUROKAWA BUNKA ZAIDAN, TEERAUM IM SIEBTEN STOCK, 13:00
Meine Mutter gießt Tee, als wäre das Gießen die eigentliche Aufgabe und das Gespräch nur etwas, das nebenher passiert. Sie ist fünfundfünfzig, trägt einen Kimono in der Farbe nasser Erde und die Perlen, die mein Vater ihr zur Hochzeit geschenkt hat. Im Teeraum ist sie nicht meine Mutter. Im Teeraum ist sie eine Älteste des Rates, und ich bin der Schatten, den der Rat losschickt.
„Fujita?", fragt sie.
„Im Zug nach Kushiro."
„Und die Tsuba?"
„Zurück im Depot." Ich nehme die Schale, drehe sie zweimal, trinke. „Wer hat ihm den Schlüssel gegeben?"
„Niemand. Er hat einen Wachsabdruck gemacht." Sie stellt die Kanne ab. „Deshalb bist du nicht hier."
Im Teeraum wartet man. Ich warte.
„In den letzten acht Monaten", sagt sie, „hat das Justizministerium uns zweimal nicht angerufen, wo es uns früher angerufen hätte. Das Außenministerium einmal. Eine Angelegenheit, die wir seit dreißig Jahren für eine Präfektur erledigen, liegt jetzt bei einer Beratungsfirma, die es seit vierzehn Monaten gibt. Und vor drei Wochen hat das Prüfsystem einer Bank zwei unserer ruhenden Konten markiert. Kein Mensch hat sie markiert. Ein Programm."
„Shinkirō", sage ich. Es ist das erste Mal heute, dass ich den Namen ausspreche. Er schmeckt nach Strom.
„Sie haben vor einigen Jahren eine Führung eingesetzt, die kein Mensch ist", sagt meine Mutter. „Sie nennen sie KAGAMI. Der Spiegel. Wir haben das für Prahlerei gehalten, ein Rechenzentrum, das Berichte schreibt." Sie sieht auf. „Es schreibt keine Berichte. Es nimmt uns die Arbeit weg. Erst die Arbeit. Dann den Grund, warum man uns in Ruhe lässt."
1946 haben die Amerikaner siebenundzwanzig Geheimgesellschaften aufgelöst, mit Liste, Nummer und Stempel. Mein Urgroßvater soll die Liste Zeile für Zeile gelesen und gesagt haben, verboten werden könne nur, wer auf einer Liste steht. Ein Jahr später gab es das Abkommen zwischen drei Familien. Seitdem stehen wir auf keiner Liste. Wir erledigen, was niemand offiziell erledigen darf, und dafür sieht niemand genau hin. Ein Vertrag existiert nicht. Es gibt Gefälligkeiten, Schulden, Telefonnummern, die man nur einmal wählt.
„Der Rat will, dass du es verstehst", sagt meine Mutter. „Dann verlangsamst. Und wenn es geht, zerstörst."
„In dieser Reihenfolge."
„In dieser Reihenfolge." Sie zögert. Meine Mutter zögert nie, und deshalb fällt es auf wie ein Sprung in einer Schale. „Der Rat glaubt, dass jemand aus unserer Familie geholfen hat, es zu bauen."
Ich weiß, welcher Name kommt, bevor sie den Mund öffnet, so wie man weiß, dass ein Glas fallen wird, bevor es die Tischkante verlässt.
„Hikaru", sagt sie.
Zehn Jahre. Ein Raum mit vierundzwanzig Matten, eine Kerze, unter der Decke das Brett des Hausaltars, auf dem nie Staub liegt, weil jemand es jeden Morgen wischt. Mein Bruder kniet vor dem Rat, achtzehn, die Brille schief, weil er sie mit dem Ärmel geputzt hat. Ich stehe neben ihm. Der Rat hat mir die Aufgabe gegeben, weil ich die Ältere bin und der Satz aus der Familie kommen muss. Ich sage ihn. Dein Name gehört nicht mehr diesem Haus. Er sieht mich nicht an. Er sieht auf seine Hände.
Zehn Jahre lang habe ich seinen Namen nicht ausgesprochen. Ich habe darauf geachtet.
„Er war kein Shinobi", sage ich. „Das war der Grund. Er hat die Prüfung nicht bestanden."
„Das war der Grund", sagt meine Mutter, eine Spur zu schnell.
Ich lege die Tsuba, die ich vor dem Gespräch noch einmal aus dem Depot geholt habe, auf das Tablett zwischen uns. „Fujita wollte wissen, was auf der Kante steht."
Meine Mutter sieht das Eisen an und berührt es nicht. „Deine Tante konnte den Satz auswendig", sagt sie. „Sie trug ja ihren Namen. Die zweite Chiyo."
Dann gießt sie mir Tee nach, obwohl meine Schale noch halb voll ist. Das tut sie nie.

TOKYO — MEINE WOHNUNG, NAKAMEGURO, 23:50
Meine Wohnung ist das Gegenteil der Stadt. Doppelte Fenster, Schallschutz in den Wänden, Licht, das sich auf drei Prozent dimmen lässt, kein Fernseher, kein Spiegel im Flur. Nach einer Nacht wie der letzten sitze ich eine Stunde im Halbdunkel auf dem Boden und warte, bis meine Augen aufhören, die Reklamen von Shinjuku nachzuspielen.
Ich habe drei Telefone. Das erste gehört Kurokawa Saya, das zweite dem Clan. Das dritte liegt ausgeschaltet in einer Teedose im Küchenschrank, mit einer Prepaidkarte, die ich vor zwei Jahren in Osaka bar bezahlt habe. Niemand kennt die Nummer. Ich kenne sie nur, weil ich sie einmal auswendig gelernt habe, für den Tag, an dem ich alles andere verliere. Ich habe die Dose seit Wochen nicht geöffnet.
Um 23:50 vibriert sie.
Ich sitze sehr still. Dann stehe ich auf, nehme die Dose aus dem Schrank und das Telefon aus der Dose. Es ist eingeschaltet. Ich habe es nicht eingeschaltet.
Eine Nachricht ohne Absender. Ein Video, einundvierzig Sekunden.
Ich erkenne den Raum, bevor das Bild scharf wird. Vierundzwanzig Matten, eine Kerze, die Perspektive von oben, von dort, wo das Altarbrett unter der Decke hängt. In den Ratsraum der Kurokawa darf kein Gerät. Kein Telefon, keine Uhr, die mehr kann als Zeiger drehen. Seit 1947.
Auf dem Bildschirm kniet ein Junge mit einer schiefen Brille. Neben ihm steht eine junge Frau in Schwarz, das Haar zu einem hohen Zopf gebunden, und ich sehe ihr Gesicht zum ersten Mal von außen, mein Gesicht mit zweiundzwanzig. Grausam sieht es nicht aus. Es sieht aus, als hätte es gelernt, nichts auszusehen.
Sie öffnet den Mund.
Dein Name gehört nicht mehr diesem Haus.
Der Junge sieht nicht auf. Das Video endet auf seinen Händen.
Darunter eine Zeile, in Zeichen, die ich als Kind vor meinem eigenen Namen schreiben gelernt habe:
見えている
Ich sehe dich.
Ich lege das Telefon mit dem Bildschirm nach unten auf den Boden. Wer es eingeschaltet hat, hatte es in der Hand, hier, in meiner Küche. Und wer die Nummer kennt, hat mich vor zwei Jahren in Osaka beim Kauf gesehen oder den Verkäufer gekauft. Der Kühlschrank summt. Draußen fährt ein Taxi vorbei, und sein Licht wandert über die Decke, hell, dann dunkel.
Ich schreibe nichts auf. Was auf Papier steht, kann man finden, und was in einem Telefon steht, gehört dem Telefon. Also erzähle ich es mir selbst, nachts, und das hier ist das Einzige, was ich besitze, das niemand lesen kann.
Vor zehn Jahren gab es in diesem Raum keine KI. Es gab nur Menschen, und ich kannte jeden beim Namen. Einer von ihnen hat das Brett unter der Decke nicht nur abgestaubt.